Das Apostolische Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott.

den Vater, den Allmächtigen,

den Schöpfer des Himmels und der Erde.

 

Und an Jesus Christus,

seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,

empfangen durch den Heiligen Geist,

geboren von der Jungfrau Maria,

gelitten unter Pontius Pilatus,

gekreuzigt, gestorben und begraben,

hinabgestiegen in das Reich des Todes,

am dritten Tage auferstanden von den Toten,

aufgefahren in den Himmel;

er sitzt zur Rechten Gottes,

des allmächtigen Vaters;

von dort wird er kommen,

zu richten die Lebenden und die Toten.

 

Ich glaube an den Heiligen Geist,

die heilige christliche Kirche,

Gemeinschaft der Heiligen,

Vergebung der Sünden,

Auferstehung der Toten

und das ewige Leben.

 Amen.


Gedanken zum Glaubensbekenntnis

Das Glaubensbekenntnis ist in einfachen Worten abgefasst und kann dadurch von ganz unterschiedlichen Glaubensrichtungen auch nach vielen historischen und kulturellen Umbrüchen angenommen werden. In der Praxis blendet man Begriffe aus, die einem überholt oder unverständlich vorkommen.

 

So sieht es aber nur auf den ersten Blick aus. Viele Wendungen wurden von Theologen ganz unterschiedlich interpretiert, z.B.

  • Himmel und Erde
  • eingeborenen Sohn
  • empfangen durch den Heiligen Geist
  • Jungfrau Maria
  • hinabgestiegen in das Reich des Todes
  • aufgefahren in den Himmel
  • er sitzt zur Rechten Gottes
  • Heiliger Geist
  • Gemeinschaft der Heiligen

Diese Begriffe sind überwiegend aus unserem normalen Sprachschatz verschwunden, aber theologisch so verschlüsselt, dass sich deren komplexer Sinn nicht so einfach erschließt.

 

Ein großes Manko besteht darin, dass über die Lehren Jesu kein Wort verloren wird. Das hat zu allen Zeiten den Kirchen und den frommen Mächtigen bzw. Politikern das christliche Leben sehr vereinfacht. Es genügte Jungfrauengeburt, Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt für wahr zu halten, damit war alles für die eigene Aufnahme in das Himmelreich getan.

 

Ich gebe zu, es wäre sehr schwierig ein neues Glaubensbekenntnis zu etablieren. Aber umgekehrt, wie lange will man noch warten?  Sollte man es in jedem Gottesdienst aufsagen? Die reformierten Kirchen tun das nur zu besonderen Gelegenheiten.

 

Für Kirchen-Insider ist das Glaubensbekenntnis kein Problem. Aber lassen Sie es einmal einen Menschen lesen, der nicht christlich erzogen wurde. Was wird er sich dabei denken? Kann ihn das anregen sich dem christlichen Glauben zuzuwenden? Er muss doch annehmen, dass er hier die Kernsätze und die Zusammenfassung des christlichen Glaubens vor sich hat. Da staunt er sicher über die Jungfrauengeburt über den eingeborenen Sohn  und dass Jesus zur Rechten Gottes sitzt usw.  (Hinweis: der Anteil eingetragener Christen in Deutschland liegt bei nur 59 %!, konfessionslos sind 36%)

 

In diesem Zusammenhang: sie kennen sicher alle das Gleichnis vom verlorenen Schaf? ich habe es etwas modernisiert und der Zeit angepasst. Ich will es hier nicht in aller Breite erzählen, aber der Clou bei meiner Fassung: der Hirte bleibt bei der verbliebenen Herde.

  

Beim Glaubensbekenntnis fällt mir oft ein Satz von Hans Küng ein: Intellektuelle Integrität ist wichtiger als dogmatische Konformität (sinngemäß aus: Der Anfang aller Dinge: Naturwissenschaft und Religion) 

Ein neueres Glaubensbekenntnis

Erika Görke (1996): Im Ev. Gesangbuch, Ausgabe der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck

Wir glauben an Gott, den Ursprung von allem, was geschaffen ist, die Quelle des Lebens, aus der alles fließt, das Ziel der Schöpfung, die auf Erlösung hofft.

 

Wir glauben an Jesus Christus, den Gesandten der Liebe Gottes, von Maria geboren; ein Mensch, der Kinder segnete, Frauen und Männer bewegte, Leben heilte und Grenzen überwand; er wurde gekreuzigt; in seinem Tod hat Gott die Macht des Bösen gebrochen und uns zur Liebe befreit; er ist in unserer Mitte und ruft uns auf seinen Weg.

 

Wir glauben an Gottes Geist, Weisheit von Gott, die wirkt, wo sie will; sie gibt Kraft zur Versöhnung und schenkt Hoffnung, die auch der Tod nicht zerstört; in der Gemeinschaft der Glaubenden werden wir zu Schwestern und Brüdern, die nach Gerechtigkeit suchen. 

 

Wir erwarten Gottes Reich.

Zitate

Die beiden Zitate zeigen zwei extrem unterschiedliche Standpunkte von Christen auf.

Bund für Freies Christentum

Hanauer Sätze zur religiösen und kirchlichen Erneuerung (1968)

Da die überlieferten kirchlichen Bekenntnisse ein überholtes Weltbild und Weltverständnis voraussetzen und nur noch mit Hilfe verwickelter Gedankengänge gedeutet werden können, erscheint es uns untragbar, Christen auf deren Wortlaut zu verpflichten.

Dies gilt ebenso für die altkirchlichen wie für die reformatorischen Bekenntnisse, vor allem aber für das so genannte "Apostolische Glaubensbekenntnis", dessen Wortlaut seit Generationen ungezählte Christen an der inneren Zustimmung zu ihrer Kirche und an der Teilnahme an deren Gottesdiensten gehindert hat.

 

Die Kirchen sind der Apostolikumsfrage immer wieder ausgewichen; sie haben die Beibehaltung des Apostolikums durch Verfügungen reglementiert. 

Jörgen Bauer

Zu was braucht man überhaupt ein (apostolisches) Glaubensbekenntnis?

Im Grunde ist die Antwort ganz einfach:

 

Den Gläubigen, in diesem Fall den im christlichen Sinne Glaubenden, muss klar sein, was sie glauben und zu was sie sich in ihrem Glauben gemeinsam bekennen. Deshalb ist es sinnvoll und zweckmäßig die Glaubensinhalte, für alle, die dem Glauben angehören wollen, verstehbar, klar und eindeutig und verbindlich zu beschreiben um damit ein gemeinsames Erkennungszeichen zu haben.

 

Daraus folgt, dass der Gemeinschaft der Glaubenden angehört, wer die Aussagen des Glaubensbekenntnisses bejahen kann. Wer das nicht kann, gehört, im Umkehrschluss, dieser Gemeinschaft nicht an.


Dreieinigkeit

Die Dreieinigkeit wurde beim Konzil in Nicäa im Jahre 325 auf Druck von Kaiser Konstantin (der zu dem Zeitpunkt noch nicht getauft war und den Sonnengott Sol anbetete) aus Staatsräson und Sicherung des Religionsfriedens festgelegt. Beispielsweise schrieb der Arianer Eusebius von Nikomedia in einem Brief an den Kaiser: „Wir handelten sündig, o Fürst, als wir aus Furcht vor Euch einer Blasphemie zustimmten.“ Ein Argument für die Dreieinigkeit und Wesensgleichheit Jesus mit Gott war, dass nur ein göttlicher Jesus die Menschheit am Kreuz erlösen konnte.


Zitate von Rupert Lay

Rupert Lay aus: "Manipulation durch die Sprache" und "Ketzer, Dogmen, Denkverbote".

Rupert Lay ist ein deutscher Philosoph, katholischer Theologe, Priester, Psychotherapeut und Unternehmensberater.

Kirchensprache, Liturgie

Die religiöse Sprache wird außerhalb des Milieus nicht verstanden. Dies erlaubt das religiöse Sprechen ohne zu denken. Sprache ist immer ein Ausdruck des Denkens und so entlarvt sich das religiöse Getto in Sprache und Denken. 

Liturgische Texte und Bräuche wollen ihre Mitglieder in ihrer Grundorientierung infantil halten.

Kirche kontra Christentum

Die Kirche macht aber aus dem Christentum einen ausgedehnten Katalog von Glaubensbekenntnissen und Dogmen. Doch nicht der Glaube macht die Menschen zu Christen, sondern die Nachfolge Christi. »Christentum« bezeichnet unbestritten das ernsthafte Bemühen, sein Leben an der Lehre und dem Leben Jesu (seiner Botschaft also) zu orientieren. Die Kirche machte aber aus Christentum einen ausgedehnten Katalog von Glaubensbekenntnissen und Dogmen, von Inhalten also, die zu glauben sind. Und die Kirchen machten sich zu Agenten dieser Dogmen. Sie verkündeten sie, Sie bestraften Abweichler.

Strafender Gott


Einführung eines lohnenden und strafenden Gottes um bestimmte Normen durchzusetzen. Der Umgang mit Schuldgefühlen zum Nutzen der Religionsgemeinschaft. Eine „Solidargemeinschaft der Sünde“ ist ein dankbares Objekt aller möglichen Manipulationen.


Rupert Lay formuliert immer sehr scharfsinnig und präzise - in diesem Falle vielleicht etwas krass. Ich habe die Zitate dennoch aufgenommen, weil sie auch eine  Hilfe sein können, wenn man über die richtige Wahl der Worte nachdenkt.

Grundsätze der Bahai

Ich war erstaunt als ich zufällig auf die Zwölf ethischen Grundsätze der Bahai stieß. Ich denke auch nachdenkenswert für Christen.