Die Bibel

Martin Luther Denkmal
Martin Luther Denkmal

Zitate Hans-Rudolf Stadelmann aus seinem Buch: Im Herzen der Materie: Glaube im Zeitalter der Naturwissenschaften << Die Bibel ist nicht „Gottes Wort“ im eigentlichen Sinne, sondern nur insofern, als die biblischen Autoren Gottes Wirken in ihrem Leben oder in der Geschichte zu erfahren glaubten und dies in einer für sie und ihre Weltsicht gemäßen Form zu Papier brachten. „Gottes Wort“ also in situations- und zeitbedingte Menschenworte gefasst.......

...... Unsere Aufgabe ist es, heute das zu tun, was die Theologen früherer Jahrhunderte damals taten, nämlich die Kernstücke des Glaubens der Kirche Jesu Christi neu zu artikulieren. Unsere Aufgabe ist es, die Theologie von Grund auf zu erneuern, das Evangelium für unsere Zeit zu erläutern>>

Mit den nachfolgenden, wenigen Beispielen möchte ich die Aussage von Hans-Rudolf Stadelmann deutlich machen. Auf einer knappen Webseite lässt sich das nicht annähernd beschreiben. Wenn Sie sich für das Thema interessieren, kann ich folgende Bücher von Klaus-Peter Jörns empfehlen:

Notwendige Abschiede: Auf dem Weg zu einem glaubwürdigen Christentum

Update für den Glauben: Denken und leben können, was man glaubt

Die Sühneopfertheologie habe ich nicht erwähnt, sie wird aber in den genannten Büchern ausführlich behandelt. In dem Zusammenhang möchte ich auch auf die EKD-Schrift "Für uns gestorben" verweisen.

George Ryss geht in seinem Buch "Und die Kirche merkt es nicht" besonders auf Fehler ein, die sich in der Bibel eingeschlichen haben: Fehler bei mündlichen Überlieferungen, bei Übersetzungen (die gleichzeitig Interpretationen sind), Abschriften, Bedeutungswandel und bewussten Änderungen aus dogmatischen Gründen. Sehr bekannte Fehler sind z.B. : Rotes Meer statt Schilfmeer, Kamel durch ein Nadelöhr statt Schiffstau durch ein Nadelöhr.

 


Jesus, "Sohn Davids"

In Matthäus 1 ist der Stammbaum Jesu aufgezeichnet, in welchem Joseph Nachfahre König Davids ist. Direkt danach folgt die Geburt Jesu. Hier wird nun eindeutig erklärt, dass Joseph keinesfalls der Vater ist, sondern der Heilige Geist. Ich erwähne das nur, um zu zeigen, dass es den Evangelisten, Autoren, Übersetzern nicht um das genetische Erbe Jesu ging. Wichtiger war Ihnen die Besonderheit der Jungfrauengeburt (das war bei großen Herrschern im Altertum schon einmal üblich, auch die direkte Abstammung von Göttern) und der Ehrentitel "Sohn Davids". Allerdings ganz so ehrenhaft war David auch wieder nicht. Er wechselte bei Kriegen öfter einmal die Seiten und seine Frauengeschichten hatten schlimme Folgen.

Aber immerhin singen wir heute noch in schönen, bekannten Kirchenliedern vom Sohn Davids:

EG 13 Tochter Zion, freue dich

EG 19 O komm, o komm, du Morgenstern

EG 70 Wie schön leuchtet der Morgenstern

EG 71 O König aller Ehren

EG 536 Hosianna Davids Sohne

Regierungen in aller Welt

Das Verhältnis zur staatlichen Gewalt (Paulus Brief an die Römer 13, 1-7)

Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit außer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, ist sie von Gott angeordnet. Darum: Wer sich der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt Gottes Anordnung; die ihr aber widerstreben, werden ihr Urteil empfangen. Denn die Gewalt haben, muss man nicht fürchten wegen guter, sondern wegen böser Werke. Willst du dich aber nicht fürchten vor der Obrigkeit, so tue Gutes, dann wirst du Lob von ihr erhalten. Denn sie ist Gottes Dienerin, dir zugut. Tust du aber Böses, so fürchte dich; denn sie trägt das Schwert nicht umsonst. Sie ist Gottes Dienerin und vollzieht die Strafe an dem, der Böses tut. Darum ist es notwendig, sich unterzuordnen, nicht allein um der Strafe, sondern auch um des Gewissens willen. Deshalb zahlt ihr ja auch Steuer; denn sie sind Gottes Diener, auf diesen Dienst beständig bedacht. So gebt nun jedem, was ihr schuldig seid: Steuer, dem die Steuer gebührt; Zoll, dem der Zoll gebührt; Furcht, dem die Furcht gebührt; Ehre, dem die Ehre gebührt.

Vielleicht waren Paulus diese Zeilen wichtig für seine bevorstehende Reise nach Rom, für manche Regierung in Vergangenheit und Gegenwart trifft das sicher nicht zu.

Gerechtigkeit und Barmherzigkeit

David holt die Bundeslade nach Jerusalem (2. Samuel 6)

Und als sie zur Tenne Nachons kamen, griff Usa zu und hielt die Lade Gottes fest, denn die Rinder glitten aus. Da entbrannte des HERRN Zorn über Usa, und Gott schlug ihn dort, weil er seine Hand nach der Lade ausgestreckt hatte, sodass er dort starb bei der Lade Gottes. Da ergrimmte David, dass der HERR den Usa so wegriss, und man nannte die Stätte »Perez-Usa« bis auf diesen Tag. 

Hier vermute ich, dass Usa abgerutscht und tödlich verunglückt ist. Priester konnten es nicht lassen mit dieser Erzählung die Heiligkeit der Bundeslade darzustellen.

Strafe für eine Sabbatschändung (4. Mose 15, 32)

Als nun die Israeliten in der Wüste waren, fanden sie einen Mann, der Holz auflas am Sabbattag. Und die ihn dabei gefunden hatten, wie er Holz auflas, brachten ihn zu Mose und Aaron und vor die ganze Gemeinde. Und sie legten ihn gefangen, denn es war nicht klar bestimmt, was man mit ihm tun sollte. Der HERR aber sprach zu Mose: Der Mann soll des Todes sterben; die ganze Gemeinde soll ihn steinigen draußen vor dem Lager. Da führte die ganze Gemeinde ihn hinaus vor das Lager und steinigte ihn, sodass er starb, wie der HERR dem Mose geboten hatte.

So konnte eine Priesterschaft ausreichend Furcht unter den Menschen bewirken - Ganz im Gegensatz zum Jesuwort (Markus 2,27): <<Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen. >>

Krieg, Mord, Völkermord

Diese Texte lesen sich einfach grauenhaft und werden wohl von den meisten Christen nicht in der Bibel vermutet. Zu diesem Thema gibt es ganz unterschiedliche Erklärung, z.B. vom Institut Ethik & Werte. Vielleicht haben auch Priester Gott diese Worte in den Mund gelegt, um Kriege und Kriegsverbrechen zu legitimieren.

Wie man die Texte auch interpretieren mag, das Christentum hat in ihrer Historie unzählige Menschenleben auf dem Gewissen durch Raubzüge, Kriege, Morde an Andersgläubigen und sogenannten Ketzern. Bis heute gibt es in der Christenheit und Kirchenleitungen keine eindeutige Haltung gegen Kriege, wenn sie von unseren Freunden geführt werden. Ich befürchte, dass das Vorgehen des Staates Israel gegen Palästinenser von manchen Bevölkerungsteilen durch solche Bibelstellen als legitim angesehen wird. 

Warnung vor Gemeinschaft mit den Heiden (5. Mose 7,1)

Wenn dich der HERR, dein Gott, ins Land bringt, in das du kommen wirst, es einzunehmen, und er ausrottet viele Völker vor dir her, die Hetiter, Girgaschiter, Amoriter, Kanaaniter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter, sieben Völker, die größer und stärker sind als du, und wenn sie der HERR, dein Gott, vor dir dahingibt, dass du sie schlägst, so sollst du an ihnen den Bann vollstrecken.

Strafe für falsche Propheten und Verführer zum Götzendienst (5. Mose 13,13)

Wenn du hörst von einer deiner Städte, die dir der HERR, dein Gott, gibt, darin zu wohnen, dass man sagt: Es sind ruchlose Leute aufgetreten aus deiner Mitte und haben die Bürger ihrer Stadt verführt und gesagt: Lasst uns hingehen und andern Göttern dienen, die ihr nicht kennt, so sollst du gründlich suchen, forschen und fragen. Und wenn sich findet, dass es gewiss ist, dass solch ein Gräuel in deiner Mitte geschehen ist, so sollst du die Bürger dieser Stadt erschlagen mit der Schärfe des Schwerts und an ihr den Bann vollstrecken, an allem, was darin ist, auch an ihrem Vieh, mit der Schärfe des Schwerts. 

Kriegsgesetze (5. Mose 20,10)

Wenn du vor eine Stadt ziehst, um gegen sie zu kämpfen, so sollst du ihr zuerst den Frieden anbieten. Antwortet sie dir friedlich und tut dir ihre Tore auf, so soll das ganze Volk, das darin gefunden wird, dir fronpflichtig sein und dir dienen. Will sie aber nicht Frieden machen mit dir, sondern mit dir Krieg führen, so belagere sie. Und wenn sie der HERR, dein Gott, dir in die Hand gibt, so sollst du alles, was männlich darin ist, mit der Schärfe des Schwerts schlagen. Nur die Frauen, die Kinder und das Vieh und alles, was in der Stadt ist, die ganze Beute, sollst du unter dir austeilen und sollst essen von der Beute deiner Feinde, die dir der HERR, dein Gott, gegeben hat. so sollst du mit allen Städten tun, die sehr fern von dir liegen und nicht zu den Städten dieser Völker hier gehören. Aber in den Städten dieser Völker hier, die dir der HERR, dein Gott, zum Erbe geben wird, sollst du nichts leben lassen, was Odem hat, sondern sollst an ihnen den Bann vollstrecken, nämlich an den Hetitern, Amoritern, Kanaanitern, Perisitern, Hiwitern und Jebusitern, wie dir der HERR, dein Gott, geboten hat, damit sie euch nicht lehren, all die Gräuel zu tun, die sie im Dienst ihrer Götter treiben, und ihr euch so versündigt an dem HERRN, eurem Gott.

Kleidung der Priester und Opfer

Vorschriften für die (teuren) Kleider der Priester finden sich im 2. Buch Mose in den Kapiteln 28 und 39,

Opfergebote im 3. Buch Mose in den Kapiteln 1 bis 7.

Diese Teile der Bibel sind meiner Meinung nach für Christen völlig uninteressant, bemerkenswert lediglich, wie gut die Priester für sich gesorgt haben. Außerdem verstanden sie sich bestens darauf,  jede Konkurrenz zu unterdrücken.

Ausgrenzung

Die folgenden Bibelzitate sind beliebte Sprüche bei Taufen, Konfirmationen, Losungen und zugleich sind sie in hohem Maße intolerant und ausgrenzend. In der Kirchengeschichte hat diese ausgrenzende Grundeinstellung viele Todesopfer gefordert.

Markus 16, 16

Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.

Johannes 14, 6

Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.

Matthäus 28, 19

Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe