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Gift in England - Novitschok

Novitschok-Strukturen
Novitschok-Strukturen

Was ist Novitschok?

Die verschiedenen Novitschok-Typen gehören zur Stoffklasse der Phosphorsäureester. Varianten die für Warmblüter weniger giftig sind werden im Tonnenmaßstab als Insektenvernichtungsmittel industriell hergestellt. Ein bekannt, berüchtigtes Pflanzenschutzmittel aus dieser Klasse ist Parathion, auch E605 genannt.

 

Ich habe in den sechziger Jahren einen Chemiker getroffen, der körperlich und psychisch schwer geschädigt war. Er hatte jahrelang in einem Industrielabor an Phosphorestern  geforscht. Vielleicht war er dabei unvorsichtig oder hatte versehentlich eine besonders giftige Verbindung synthetisiert. 

 

Im November 1986 brannte eine Lagerhalle der Firma Sandoz in Schweizerhalle bei Basel. Mit dem Löschwasser gelangten mehrere Tonnen Phosphorester-Insektizide in den Rhein und verursachten damit eine riesige Umweltkatastrophe.

 

Phosphorester und deren Wirkung sind also schon lange bekannt.

 

Wer kann Novitschok herstellen?

In jedem gut ausgerüstetes Chemielabor mit ausgebildetem Chemiker, geeigneten Abzügen und Gloveboxes kann man die Chemiewaffe unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen synthetisieren. Die benötigten Rohstoffe sind im Chemikalienhandel problemlos erhältlich, Synthesewege wurden zum Teil veröffentlicht. Es ist so gut wie sicher, dass alle größeren Staaten (nicht nur Russland) das Gift hergestellt haben. Von USA, Tschechien und Iran ist es bekannt. Das in Salisbury eingesetzte Nowitschok könnte aus einem Chemielabor irgendwo auf der Welt stammen - eben auch aus England.

 

Ein Skandal

Nur wenige Stunden nach der Novitschok-Vergiftung des russischen Doppelagenten Sergej Skripal beschuldigte die britische Regierungschefin Theresa May vehement Russland als Urheber. Außenminister Boris Johnson machte sogar Präsident Putin persönlich verantwortlich.

 

Dies geschah bevor noch irgendeine Untersuchung erfolgt war. Es war aber von vornherein klar, dass eine chemische Untersuchung des Giftes nicht herausgebracht hätte, wer den Anschlag verübt hat. Die Quelle des Giftes wäre auch kaum eindeutig zu ermitteln. Dazu hätte man von allen Herstellern Vergleichsproben gebraucht. So ergab sich für Theresa May die ideale Situation Putin zu beschuldigen. England und andere westliche Staaten - darunter auch Deutschland - wiesen daraufhin kurzerhand insgesamt 140 russische Diplomaten aus, wohlgemerkt nur auf Grund von Vermutungen! 

 

Sollten Fehler vertuscht und gleichzeitig als Propaganda gegen Putin genutzt werden? Ein neuerlicher Vorfall mit schweren Vergiftungen von zwei Personen in der Nähe von Salisbury legt zumindest den Verdacht nahe. Denn erst jetzt war Pressemitteilungen zu entnehmen, dass sowohl Skripal und die anderen Personen ganz in der Nähe des britischen Zentrums der  Chemie- und Biowaffenforschung Porton Down und dem Stützpunkt MoD Boscombe Down (privates Rüstungsforschungsunternehmen QinetiQ) vergiftet wurden. Hätten ernsthafte Untersuchungen nicht bei den eigenen Giftmischern beginnen müssen? Gründliche Untersuchungen hätten Tage und Wochen gebraucht!

 

Im Zusammenhang mit dem Skribal-Vorfall wurde weder von der Politik noch unseren „Leitmedien” etwas über die unmittelbare Nähe dieser beiden Anlagen zu den Vergiftungsorten mitgeteilt. Das macht nachdenklich.