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Der Sündenfall

Adam und Eva im Garten Eden von Wenzel Peter
Adam und Eva im Garten Eden von Wenzel Peter

Die beiden Schöpfungsgeschichten im Alten Testament sind aus mündlichen mythologischen Erzählungen entstanden. Sie enthalten in bildhafter Sprache sehr einprägsame und verständliche Aussagen zu Fragen, welche die Menschheit bis heute beschäftigen. In den ausdrucksvollen Erzählungen finden wir Wahrheiten:

  • Die Welt und vor allem die Menschen sind nicht so gut, wie sie sein sollten.
  • Das Leben kann sehr mühsam und schwer sein.
  • Klugheit und Weisheit der Menschen verlangt nach verantwortungsvollem Handeln, das aber oft misslingt.
  • Krankheit und Tod sind unausweichlich und
  • Frauen können auf Männer sehr verführerisch wirken

Es folgen Brudermord und Sintflut. Die Aufzählung kann von aufmerksamen Bibellesern noch weitergeführt werden.

Der Mensch sucht für alles eine Ursache. So ist auch die Erzählung vom Sündenfall aus dem damaligen Wissen entstanden um Gott und die Welt zu verstehen. Ergebnis: Schuld an an allem Übel hat der Mensch. Wegen einer einmalige Tat Adams ist die ganze Menschheit verdorben.


Paulus hat das in seine Theologie eingebaut:

 "21 Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten.

22 Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden." (1. Korinther 15)

 

"12 Deshalb, wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und der Tod durch die Sünde, so ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben." (Römer 5)

 

"23 Denn der Sünde Sold ist der Tod; die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserm Herrn." (Römer 6)

 

Was den Tod angeht, hat sich Paulus gewaltig geirrt. Der Tod ist nicht die Strafe für Sünden. Er ist notwendig für die Evolution des gesamten Kosmos und damit auch der Menschen.

Augustinus hat dann die Lehre perfektioniert und die Erbsünde eingeführt. Augustinus meinte, dass die Erbsünde physisch übertragen werde. Augustinus argumentierte, dass nur diejenigen, die völlig unverdient die Gnade Gottes erhielten, diesem Erbe entkommen können und ewiges Leben erhalten würden. Für Augustinus war klar, dass „Gott im Herzen der Menschen wirkt, um ihren Willen dahin geneigt zu machen, wohin immer er will: entweder zum Guten gemäß seiner Gnade oder zum Bösen nach ihren bösen Verdiensten.“ Und er lehrte, dass von der Minderheit, die der Hölle entgehe, nur wenige einer schmerzlichen Läuterung nach dem Tod entrinnen würden. (Aus Wikipedia). 

 

Auch die Erbsünde enthält ein Stück Wahrheit, wie uns Biologen und Verhaltensforscher bestätigen können, aber nicht so eine Art Sexualkrankheit wie Augustinus meinte. Die Wissenschaft hat auch die Prädestinationslehre widerlegt, die Paulus und Augustinus pflegten.


Verständnis der alten Texte

Viele Erzählungen, die vor zwei- bis dreitausend Jahren geschrieben wurden, verstehen wir nicht mehr. Wenn wir heute sagen wollen, dass Jesus ein ganz besonderer Mensch war, dann drücken wir das auch genau so aus und erzählen keine Story von einer Jungfrauengeburt, wie es damals im Orient üblich war. Ich finde es schon grotesk, dass die Jungfrauengeburt zum Glaubensfundament gehören soll. Leider wird der entsprechende Text auch noch sonntäglich im Glaubensbekenntnis aufgesagt. Weitere Missverständnisse aus diesen Geschichten: Geringschätzung von Frauen, Sexualfeindlichkeit, Androhung von Höllenqualen.

Unsere Wissen von der Welt hat sich seit dem Altertum und Mittelalter erheblich erweitert. Wenn die Lehren der Kirche  weiterhin verstanden werden sollen, dann brauchen wir neue Erklärungen, Texte und Bilder aus unserer Zeit. Wie kann man nur annehmen, dass Menschen vor zwei- oder dreitausend Jahren alles besser gewusst haben als wir und deshalb an ihren Geschichten und Erkenntnissen nicht gerüttelt werden darf?

Durch die Evolutionslehre wissen wir, dass unsere Vorfahren einmal Einzeller, später Fische dann Landtiere waren. Viele dieser Eigenschaften und Körpermerkmale tragen wir noch in uns (denken Sie beispielsweise an die embryonale Entwicklung des Menschen, die im Schnelldurchgang viele Stadien der Evolution durchläuft). Würde ein allwissender Schöpfer und Gott, es uns als ungehorsamen Sündenfall anrechnen, wenn wir manche Eigenschaften (noch) nicht abgelegen konnten, die für unsere tierischen Vorfahren lebensnotwendig waren? Die Bibel hat Probleme aufgezeigt, wir haben heute "vernünftigere" Erklärungen dafür als die Menschen damals. Sünde, Erbsünde, Erlösung, Tod ... müssen für unsere Zeit neu gedeutet werden. Uns nützen Bibelübersetzung in gender-gerechter und politisch korrekter Sprache nicht mehr. Wir brauchen Theologen, die uns die "Frohe Botschaft" für das 3. Jahrtausend neu schreiben. Das wäre die große Aufgabe.


 

Der Münchner Pfarrer Hans Frör hat sich schon 1977 dieser Aufgabe gewidmet und das sehr lesenswerte Büchlein geschrieben  "Ich will von Gott erzählen wie von einem Menschen, den ich liebe". Ich möchte es sehr empfehlen.


Die alte Theologie erscheint in sich schlüssig und gibt Antworten auf Fragen der Menschen. Weil aber Grundannahmen der Bibelautoren nicht richtig waren - sie konnten es wirklich nicht besser wissen - und die darauf aufbauenden theologischen Überlegungen diesen Annahmen folgten, ist nun das ganze System in mancherlei Hinsicht erschüttert. Das spüren viele Menschen und wenden sich von den Kirchen ab. Man vertraut den Kirchen nicht mehr, wenn sie gesichertes Wissen ignorieren, damit sie sich nicht bewegen müssen. Dagegen erleben Naturwissenschaftler immer wieder die Zeitabhängigkeit Ihres Wissens und müssen sich auf neue Erkenntnisse umstellen. Alle Ergebnisse und Theorien werden ständig überprüft und verbessert.

 

Durch wissenschaftliche Forschung werden die Welträtsel nicht weniger. Die eigentlichen Wunder werden überhaupt erst sichtbar, wenn wissenschaftliche Forschung die Vorhänge menschlicher Vorurteile, abergläubischer Vermutungen und Denkgewohnheiten hinwegräumt.


Erkenntnisse:

  • Gott hat das Universum geschaffen, perfekter als wir je verstehen werden.
  • Wir sind dem Leben verpflichtet, alles Lebensfeindliche wendet sich gegen Gott den Schöpfer.
  • Wir Menschen sind mit allem verwandt und verbunden, alles was wir tun oder lassen hat Folgen.
  • Das gesamte Universum entwickelt sich zum Guten, auch wenn es durch Abgründe geht.
  • Gott kennt uns und unsere Entwicklungsstufe, wir haben unser Leben nicht durch Sünde oder Erbsünde verspielt.
  • Es braucht deshalb auch keine Blutopfer um Gott zu versöhnen.
  • Er liebt seine gesamte Schöpfung, auch das, was wir gut und böse nennen.
  • Durch unsere geistigen Gaben haben wir eine hohe Verantwortung, wie die Zukunft sich auf unserem Planeten entwickelt. (Bald können wir den Weltraum in die Verantwortung einschließen).
  • Wir haben gute und schlechte Erbanlagen, die uns zu schaffen machen, aber wir haben noch einen langen Weg (biologische und kulturelle Evolution) vor uns, um "richtige Menschen" zu werden.
  • Wenn wir Christen sein wollen, müssen wir dem folgen, was Jesus in seinem Leben gesagt und getan hat und nicht einfach nur seinen Tod vergöttern.

Das alles können Theologen mit ihrem Wissen viel besser beschreiben als ich.  Ich wollte nur ein paar Anstöße geben, wobei der eine oder andere Anstoß vielleicht auch ins AUS geht.

 


Säbelzahntiger
Säbelzahntiger

Auch die Theologie unterliegt der Evolution und wie wir alle gelernt haben, brauchen evolutionäre Veränderungen große Zeiträume, die sehr viele Generationen ausmachen.

 

Allerdings gab in der Evolution auch immer wieder Geschöpfe, die sich den ändernden Lebensbedingungen nicht rechtzeitig genug anpassen konnten.

 

In jüngster Zeit erleben wir das sogar in der Politik. Politiker, die sich immer als "Säbelzahntiger" gefühlt haben, bekommen plötzlich Anpassungsschwierigkeiten.