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Schöpfungsgeschichte kontra Urknall und Evolution

Erschaffung Adams (Michelangelo: Sixtinische Kapelle)
Erschaffung Adams (Michelangelo: Sixtinische Kapelle)
Vor kurzer Zeit fand ich die Webseite eines Pfarrers mit zahlreichen theologischen Themen. Eines der Themen war die Gegenüberstellung biblische Schöpfungsgeschichte zur Urknall- und Evolutionstheorie.
Der Pfarrer kommt zu dem Ergebnis, dass die naturwissenschaftlichen Erklärungen zur Entstehung der Welt für ihn völlig wertlos sind, weil sie nur Aussagen über das "Wie" ("selbst wenn das alles stimmen würde") aber nicht über das "Warum" machen. Ich habe daraufhin seinen Artikel noch zweimal gelesen, konnte dort in dem Abschnitt über die Schöpfungsgeschichte leider auch keine Antwort auf das "Warum" finden [1].
Ich glaube an Gott den Schöpfer. Wenn ich mir die Weltentstehung vorstellen soll, erscheint mir die Evolutionstheorie (physikalisch, chemisch, biologisch, kulturell) wesentlich plausibler als die biblische Schöpfungstheorie, die vor 3000 Jahren zwar eine großartige Leistung war, aber heute nicht mehr glaubwürdig ist. Natürlich ist auch die Evolutionstheorie ein zeitgebundene Vorstellung, sie hat aber den Vorteil, dass sich damit Glaube und Weltbild in unserer Zeit vereinen lassen.
Weder die Schöpfungsgeschichte noch die Evolutionstheorie beweisen den Ursprung von Allem als Gottes Werk aber eben auch nicht das Gegenteil. 
Ich habe schon manchen Aufsatz zu diesem Thema gelesen und auch mit Pfarrern darüber gesprochen. Neben viel Verständnis für die Wissenschaft, stand am Ende immer: "das Eine hat mit dem Anderen rein gar nichts zu tun. Das sind völlig verschiedene Welten die unabhängig nebeneinander bestehen (müssen), für mich ist einzig die Bibel entscheidend."

 

Mitglieder Evang. Kirche in Deutschland (EKD)
Mitglieder Evang. Kirche in Deutschland (EKD)

Ich habe mir jahrelang gedacht, ein Pfarrer/Priester hat es gut: im Gegensatz zu seinen Gemeindemitgliedern kann er im Einklang mit seinen theologischen Theorien leben, und widersprüchliche (wissenschaftliche) Erkenntnisse einfach ausblenden.

 

Inzwischen habe ich aber ein besseres Verständnis für die Theologen. Denn, würden wir unseren christlichen Glauben aus dem Weltbild vor zwei- bis dreitausend Jahren in das heutige übertragen [2], käme es wie ein Sturm über das theologische Gebäude der Kirchen. Noch leben Kirchenleitungen lieber in einem einsturz-gefährdeten Lehrgebäude als eine neue, tragfähige Theologie einzubauen - eine schwierige Situation.

Ich wiederhole anschließend drei Zitate, die schon auf meiner Webseite stehen, um den Gedankengang zu einem vorläufigen Abschluss zu führen.

 

Hoimar von Ditfurth ( Privatdozent für Psychiatrie und Neurologie, außerordentlicher Professor der Medizinischen Fakultät Heidelberg, Wissenschaftsjournalist) im Buch: Wir sind nicht nur von dieser Welt

... Wie lange wollen die Theologen die Probleme noch ignorieren, die daraus entstehen, dass beide Wahrheiten, die des wissenschaftlichen Verstandes und die der Religion, letztlich dann doch in den Köpfen konkreter einzelner Individuen gemeinsam Platz finden müssen? Das Festhalten an einem gespaltenen Weltbild hat daher bedenkliche Konsequenzen. Denn in uns allen schlummert der Verdacht, dass nur eine der »beiden« Wahrheiten, auf die zugleich man uns einschwören will, wahr sein kann. Beim Naturwissenschaftler und all den Menschen, deren Weltbild in wesentlichen Zügen von der modernen Naturwissenschaft geprägt ist, führt das zu einer zunehmenden Hinwendung zum Atheismus, zu dem Versuch also, mit dem Diesseits und der eigenen Vernunft allein zurechtzukommen.....

 

Hans-Rudolf Stadelmann (Nach langjähriger Tätigkeit als Atomphysiker studierte er Theologie und wurde Pfarrer) im Buch: Im Herzen der Materie

...Im christlichen Glauben haben sich die Vorstellungen von Gott in den 2000 Jahren seit Jesus kaum mehr verändert und deshalb nicht mit der Entwicklung unseres Weltbildes Schritt halten können, was meines Erachtens ein wesentlicher Grund für die heutige Irrelevanz Gottes und in der Folge auch für die allgemeine Entfremdung vom christlichen Glauben sein dürfte. Gott ist so in den Köpfen der meisten Zeitgenossen zu einem „Märchenbuch-Liebergott“ verkommen, der nichts mit der realen Welt und den Fragen ihrer Menschen zu tun haben kann und damit für ihr Leben bedeutungslos geworden ist. ....

 

.... Unsere Aufgabe ist es, heute das zu tun, was die Theologen früherer Jahrhunderte damals taten, nämlich die Kernstücke des Glaubens der Kirche Jesu Christi neu zu artikulieren. Unsere Aufgabe ist es, die Theologie von Grund auf zu erneuern, das Evangelium für unsere Zeit zu erläutern. ....


In dem Zusammenhang: das Theologiestudium sollte nach meiner Meinung eine grundlegende naturwissenschaftliche Ausbildung beinhalten. Das wäre wichtiger als alte Sprachen, denn nicht jeder Pfarrer muss die Bibel neu übersetzen. Es gibt schließlich viele gute Bibelübersetzungen und Kommentare. Wortspielereien [3] allein schaffen dem modernen Menschen keinen neuen Zugang zum Glauben. Das Wissen über Gottes Schöpfung ist allerdings noch ausbaufähig. Er offenbart sich eben nicht nur in der Bibel, sondern auch auf andere Weise, in seiner wunderbaren Schöpfung [4]

Die biblische Offenbarung wiederum ist nicht so eindeutig  wie man es gern hätte und den Menschen manchmal einredet. Das ist erkennbar an Widersprüchen in der Bibel, vielen unterschiedlichen Glaubensrichtungen und Konfessionen, gegenseitigen Verfluchungen und Verdammungen, Glaubenskriegen, Ausrottung von Glaubensgemeinschaften, Ermordung von Ketzern, Hexenverfolgungen, Lehr- und Predigtverboten, unsinnigen Dogmen.


Anmerkungen

 

[1] natürlich kann ein Theologe aus den Schöpfungsgeschichten mit etwas Geschick eine Warum-Antwort herausquetschen, aber explizit steht da nichts. Woher hätten die Bibelautoren es auch wissen sollen. Ihre Vermutungen wären ebenso spekulativ, wie die Schöpfungsgeschichte. In ihrem Weltbild gab es keine andere denkbare Möglichkeit, als dass Gott alles per Handarbeit gemacht hat.

 

[2] an dieser Stelle meine ich nicht Dialoge und Kostüme austauschen, nein, ganze Szenen müssen neu geschrieben werden, weil es die alten Kulissen nicht mehr gibt. 

 

[3] noch etwas zur Entspannung und zum Lachen. Das nachfolgende Video wurde als abschreckendes Beispiel auch schon bei der Pfarrerausbildung verwendet.

 

[4] Ein sehr irdischer Vergleich: Dichter, Ärzte, Theologen, Musiker, Wissenschaftler usw ... werden durch ihre "Werke" erkannt und berühmt. 

 


Wenn Sie das Thema weiter interessiert, lesen Sie bitte auch meine Seite Schöpfung und Evolutionslehre

 

 

Fortsetzung folgt im nächsten Blog "Religion".

Was ergibt sich aus der Evolutionslehre für den Glauben?